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FAQ. Physiotherapie/Krankengymnastik

Ein weites Feld: Fango, Kneipp und Massage - das fällt den meisten Menschen spontan ein, wenn es um Physiotherapie oder Physikalische Therapie geht. Manche denken dann vielleicht noch an die Krankengymnastik. Dabei hat die Physiotherapie viel mehr zu bieten.

Die erste Verwirrung taucht schon beim Begriff auf: Was unterscheidet die Physiotherapie von der Physikalischen Therapie? Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Während die einen von Physikalischer Therapie und Physiotherapie in einem Atemzug sprechen und damit auch dasselbe meinen, machen andere wiederum einen Unterschied. Selbst der Gesetzgeber ist sich nicht ganz schlüssig: Einerseits spricht er von einem "Physiotherapeutengesetz", andererseits sagt er an anderer Stelle "Physikalische Therapie".

Manchmal ist auch vom Beruf abhängig, welchem Begriff der Vorzug gegeben wird: Mediziner sprechen oft von der Physikalischen Therapie, Physiotherapeuten und Masseure dagegen eher von der Physiotherapie. Krankengymnasten und weiterqualifizierte Masseure nennen sich Physiotherapeuten, Ärzte könnnen "Facharzt für Physikalische Medizin" sein oder die Zusatzbezeichnung "Physikalische Therapie" tragen. Die Physikalische Therapie wiederum ist Teil der Physikalischen Medizin.

Sprachlich stammen die Begriffe Physiotherapie und Physikalische Therapie vom griechischen Wort Physis (= Natur) ab. Grundprinzip der Physiotherapie ist es, auf den Organismus Reize auszuüben, die in seiner natürlichen Umwelt bereits vorhanden sind. Solche Reize können z. B. die Einwirkung von Wärme oder Kälte sein oder die Ausführung bestimmter aktiver oder passiver Bewegungen. Alle diese Reize, also Wärme, Kälte und Bewegungen kennt der Organismus bereits aus dem Alltag. Im Unterschied dazu wirken die Reize in der Physiotherapie jedoch nicht zufällig und ungezielt auf den Organismus ein, sondern bewusst gesteuert und zielgerichtet. Ein Beispiel dafür ist die örtliche Anwendung von Kälte bei Entzündungsvorgängen.

Schließlich müssen die Reize einen Zweck erfüllen bzw. einem therapeutischen Ziel dienen: Sie sollen eine aktive Antwort des Organismus hervorrufen. Diese Antworten stammen aus dem natürlichen Spektrum der körperlichen Reaktionen. Ganz automatisch antwortet beispielsweise die Haut auf einen Kältereiz zunächst mit Blässe, später reaktiv mit Röte und Erwärmung. Solche natürlichen Reaktionen steuert das unwillkürliche Nervensystem. Muss es immer wieder auf denselben Reiz antworten, wird sich in seiner Antwort früher oder später etwas verändern. Um therapeutisch wirksam zu werden, muss der Reiz jedoch mehr als einmal einwirken - er muss möglichst serien-, d. h. kurmäßig zum Einsatz kommen.

Neben der direkten Antwort und der Veränderung dieser Antwort im Laufe der Zeit haben die physiotherapeutischen Verfahren meist auch noch indirekte Wirkungen. So kann z. B. die wiederholte Anwendung von Wärme- und Kältereizen im Wechsel den Körper gegen Erkältungen abhärten.

Vom Nutzen der Physiotherapie
Viele Erfolge der Medizin in der Praxis, in Krankenhäusern und in der Rehabilitation sind ohne die Physiotherapie nicht denkbar. Vorrangige Ziele sind die Schmerzbehandlung und die Beseitigung von Funktionsdefiziten. Dabei geht es nicht immer nur um den Bewegungsapparat - obwohl dessen Erkrankungen aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung natürlich vorherrschen - auch Nerven-, Herz- und Gefäß-, Stoffwechsel- oder Atemwegserkrankungen sind mit der Physiotherapie günstig zu beeinflussen.

Und was oft vergessen wird: Die Physiotherapie ist nicht nur ein Mittel, um wiederherzustellen bzw. zu heilen. Sie eignet sich auch im besonderen Maße dafür, bei einmal erkannter Gefährdung oder Anfälligkeit vorbeugend tätig zu werden. Liegen schon Störungen der Körperfunktion vor, die nicht mehr rückgängig zu machen sind, kann die Physiotherapie Bewältigungsprozesse in Gang setzen.

Folglich liegen die drei Einsatzgebiete der Physiotherapie in der

  • Prävention (Vorbeugung): Vorbeugung der Entstehung von Erkrankungen (so genannte Primär- oder Erstprävention) oder der Vorbeugung der Wiederkehr einer gleichartigen Erkrankung (so genannte Zweit- oder Sekundärprävention).

  • Therapie (Behandlung): Früh- und Langzeitbehandlung akuter und chronischer Erkrankungen, unterstützend zu anderen Behandlungsmaßnahmen bei akuten Erkrankungen. Verbesserung der Lebensqualität in höherem Alter.

  • Rehabilitation: Maßnahmen zur Wiederherstellung von Fähigkeiten, die es ermöglichen, trotz körperlicher Beeinträchtigungen am täglichen Leben teilzunehmen. Ausgleichen oder Mindern von Funktionseinbußen, Verbesserung der Lebensqualität etc.
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